Diesen Text habe ich ca. 5 Tage nach meiner Ankunft hier geschrieben(ca. 16.8.11) :
Also nur ganz kurz vorneweg, ich habe Dank sei Gott ein Besuchervisum ganz knapp vor der Ausreise bekommen können, kann mit diesem aber wohl nur 2 bis maximal 6 Monate hier bleiben. Die Reise verlief soweit sehr gesegnet. Selbst auf dem London Airport durfte ich meinen Anschlussflug nach Hong Kong gerade noch so rennend bekommen. Denn wir kamen erst verspätet an und somit hörte ich schon den letzten Aufruf zu meinem Flug als ich noch nicht einmal in der Sicherheitskontrolle war! ;o)
Zuerst durfte ich 2 Tage in einem sehr noblen Hotel der Steyler Missionare (die hier lateinisch einfach mit SVD abgekürzt werden) wohnen. Dann kam ich vor 2 Tagen zu meinem eigentlichen Standort. Eine Wohnung von Harmony Home. Nur ca. 15 min mit dem Fahrrad von meinem Arbeitsplatz entfernt. Ich bekam übrigens auch schon vorher meinen chinesischen Namen: Shen si ting, wobei Shen mein Nachname darstellen und sich irgendwie auf Sebastian Simros beziehen soll. ^-^
Leider kam meine generelle Ernüchterung schon sehr schnell. Mein halbjähriger Sprachkurs, das Sprachtandem, sowie das (gefühlt) ständige Ohrstöpsel-Chinesischlernen haben anscheinend fast gar nichts gebracht. Denn Kommunikation ist im Prinziep hier fast nicht möglich. Nur wenige Menschen können Englisch.
Zur Zeit arbeite ich mit knapp 20 Kleinkindern (ca. 0-3 Jahre alt) die teils AIDS haben, oder familiär davon betroffen sind. Viele haben durch diese Krankheit z.B. ihre Eltern verloren, oder diese sitzen im Gefängnis oder sind drogenabhängig oder psychisch krank. Ich habe noch nie zuvor mit so vielen und derart lauten Kindern gearbeitet. Das geht unglaublich an die Nerven, gerade weil man hier auf Arbeit keine Pause macht. Man arbeitet seine 9-10 Stunden einfach durch. Beziehungsweise viele der Tanten leben in dem Harmony Home und sind damit rund um die Uhr im Dienst. Die Sichtweise hier ist so, dass man sich ganz mit dem Projekt und der Arbeit identifizieren muss.
Naja, daran muss ich mich noch gewöhnen. Genauso wie an die ungelogen Daumengroßen Kakalaken in Küche und Waschmaschiene. Ich weiß nicht, was von beiden länger dauern wird. ;) Aber jede Anfangszeit ist schwierig und das war ja bis jetzt schon immer so. Ich staune nur, dass ich doch tatsächlich ganz schön lange überlegen muss, warum ich mir bei gefühlten 38° und tatsächlichen 80-90% Luftfeuchte das alles hier antue. Haha, aber das ist halt erst er Anfang! Es wird schon noch besser werden! :)
Ganz liebe Grüße, euer MazBasti
Montag, 12. September 2011
Samstag, 13. August 2011
Ohne Visa keine Einreise!
Liebe Freunde, Spender, Angehörige und Mit-MaZler, Dies soll mein erster kurzer Rundbrief sein, den ich noch auf der Rückfahrt von unserem Ausreiseseminar in Holland am 31.7.11 schreibe.
Sprich ich bin zwar noch in Deutschland, wurde aber in den vergangenen 2 Wochen zusammen mit 15 mit-MaZlern (andere "Missionare auf Zeit" aus der BRD und aus Österreich) auf unsere bevorstehende Ausreise vorbereitet. In Steyl (NL), dem Geburtsort meiner Entsendeorganisation Steyler Missionare haben wir uns intensiv mit Themen wie Kulturschock, AIDS, Mission im Wandel der Zeit, Gott und unsere Sendung, sowie mit unserer eigenen Identität befasst. Spannend waren vor allem 2 Exerzitientage gewesen. Hier sollten wir versuchen ganz bewusst auf jegliche Kommunikation zu verzichten. Kurze Andachten und Impulse begleiteten uns über den Tag, aber gesprochen wurde fast überhaupt nicht. Naja, wer mich kennt kann sich vorstellen wie schwer mir das fiel. Aber jetzt im Nachhinein kann ich sagen das das wirklich total spannend war! Ich habe lange nicht mehr einen so klaren Kopf für alle möglichen Gedanken gehabt. Und irgendwie hatte ich das Gefühl, dass ich viel leichter beten konnte. Das war schön. :) Einer dieser Tage war ein sgn. Wüstentag. Das bedeutet wir sind ohne Karte und ohne Kommunikation, nur mit einem Lunchpaket und einem kleinen Briefumschlag mit Impulsfragen bewappnet losgezogen und sollten sehen, was der Tag so bringt und mit uns macht. Wer sowas noch nie gemacht hat, dem kann ich das wirklich empfehlen! Vor allem das Schweigen bietet total viel Potential in sich! (Ich hätte nie geglaubt, dass ich das mal sagen würde!) Ich glaube ich habe mich selber dadurch ein Stückchen besser erkennen können und mich innerlich viel weiter auf meinen am 11. August beginnenden Einsatz vorbereiten. Ach ja, falls der dann denn nun überhaupt beginnt, denn meine Chefin aus Taiwan schrieb mir vorgestern Nacht so ganz spontan: "Hey, Sebastian, also ich hab mich geirrt, du solltest dir doch mal lieber ganz schnell ein Visum zulegen, denn sonst darfst du gar kein ganzes Jahr hier bleiben!" Naja daraufhin habe meine lieben Eltern und ich jetzt gerade alles in Bewegung gesetzt und zig Leute kontaktiert um dieses Visum so schnell wie möglich zu bekommen. Das dauert (Postlaufzeit einbezogen) mindestens 7 Tage. Naja, in 10 Tagen ist die Ausreise.... Ansonsten müsste ich wohl nochmal nach Hong Kong zurückfliegen und bei den dortigen Steylern anfragen damit die mir helfen könnten ein neues Visum zu beantragen. Soweit der Plan. Ansonsten geht es mir gut und ich bin immer noch mehr oder weniger fleißig am Chinesischlernen. Mein einziger großer Wehrmutstropfen ist meine liebe liebe Freundin, die ich ja eigentlich so überhaupt nicht gern hier zurücklassen will. Aber so geht das uns nun einmal in der Jugendzeit und wir werden auch hoffentlich bald lernen damit zu leben. :/ Ich danke allen Spendern und Betern für ihre großzügige Unterstützung und bitte euch alle für uns Mazler zu beten! Ganz liebe Grüße, MazBasti
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